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Freitag, 1. Juni 2007
Bjork
Donnerstag, 31. Mai 2007
Tannöd
Andrea Maria Schenkel: Tannöd
Eigenbrödler san's, der Danner und sei Fra. Nein, sie werden nicht gemocht, die Bewohner der Einsiedelei Tannöd. Geizig seien sie, eigenwillig, zurückgezogen, wortkarg. Der alte Danner läuft erst zur Hochform auf, wenn er vor Landstreichern, die ihm fürn Appel und ein Ei zur Hand gehen, mit dem Anwesen protzen kann.
Dann wird die gesamte Familie erschlagen aufgefunden.
Andrea Maria Schenkel hat mit Tannöd ein Portrait provinzieller Nachkriegs-Bigotterie vorgelegt. Dem schmalen Band gelingt, in kurzen Zeugenaussagen der Dörfler zum Mordfall das bäuerliche Beziehungsgeflecht zu skizzieren. Dass in Notzeiten gut beraten ist, wer sichs an bessren Tagen nicht mit dem Nachbarn verdorben hat, wusste schon Hesiod. Bigotterie und Doppelmoral sind ein Produkt ländlicher Armut. Der Krieg, der die jungen Burschen von ihren Höfen zog. Die Frauen, die ihre Arbeitskraft mehr schlecht als recht ersetzen müssen. Fremdarbeiter, die nicht nur hier in die Bresche gezwungen werden, die vielmehr der entmannten Landbevölkerung als erotische Projektionsfläche herhalten. Und alles hinter vorgehaltner Hand, weil man sichs mit dem Nachbarn eben nicht verdirbt.
Am sympathischsten gerät da beinah der Mörder, dessen Schritte der Leser zwischen den einzelnen Zeugenbefragungen begleitet.
Stellt sich zum Schluss die Frage, ob das schmale Buch (samt knapp dreistündigem Lesevergnügen) die 12,90 Euro Wert sind. Unbedingt, nach all dem Schund, den ich mir an meinen freien Abenden einverleibte. Leseempfehlung!
Eigenbrödler san's, der Danner und sei Fra. Nein, sie werden nicht gemocht, die Bewohner der Einsiedelei Tannöd. Geizig seien sie, eigenwillig, zurückgezogen, wortkarg. Der alte Danner läuft erst zur Hochform auf, wenn er vor Landstreichern, die ihm fürn Appel und ein Ei zur Hand gehen, mit dem Anwesen protzen kann.
Dann wird die gesamte Familie erschlagen aufgefunden.
Andrea Maria Schenkel hat mit Tannöd ein Portrait provinzieller Nachkriegs-Bigotterie vorgelegt. Dem schmalen Band gelingt, in kurzen Zeugenaussagen der Dörfler zum Mordfall das bäuerliche Beziehungsgeflecht zu skizzieren. Dass in Notzeiten gut beraten ist, wer sichs an bessren Tagen nicht mit dem Nachbarn verdorben hat, wusste schon Hesiod. Bigotterie und Doppelmoral sind ein Produkt ländlicher Armut. Der Krieg, der die jungen Burschen von ihren Höfen zog. Die Frauen, die ihre Arbeitskraft mehr schlecht als recht ersetzen müssen. Fremdarbeiter, die nicht nur hier in die Bresche gezwungen werden, die vielmehr der entmannten Landbevölkerung als erotische Projektionsfläche herhalten. Und alles hinter vorgehaltner Hand, weil man sichs mit dem Nachbarn eben nicht verdirbt.
Am sympathischsten gerät da beinah der Mörder, dessen Schritte der Leser zwischen den einzelnen Zeugenbefragungen begleitet.
Stellt sich zum Schluss die Frage, ob das schmale Buch (samt knapp dreistündigem Lesevergnügen) die 12,90 Euro Wert sind. Unbedingt, nach all dem Schund, den ich mir an meinen freien Abenden einverleibte. Leseempfehlung!
Lesbares
Alvin H. Rosenfeld: »Fortschrittliches« jüdisches Denken und der Neue Antisemitismus. Essay als Download bei Henryk M. Broder oder zwischen Buchdeckeln
Olaf Kistenmacher: Vom “Judenkapital” zur “jüdisch-faschistischen Legion in Jerusalem. Zur Entwicklung des “Antizionismus” in der Kommunistischen Partei Deutschlands der Weimarer Republik 1925-1933. Jour-Fixe-Vortrag vom 28.7.2005.
Kistenmachers Vortrag basiert auf einem Beitrag in diesem soeben erschienen Sammelband:
Matthias Brosch / Michael Elm u.a. (Hrsg.): Exklusive Solidarität. Linker Antisemitismus in Deutschland (das letzte Buch in der Neuerscheinungsliste)
Paul Berman: Who's Afraid of Tariq Ramadan? (kostenlose Registrierung erforderlich). Via: drink-soaked Trotskyite Popinjays for War.
Olaf Kistenmacher: Vom “Judenkapital” zur “jüdisch-faschistischen Legion in Jerusalem. Zur Entwicklung des “Antizionismus” in der Kommunistischen Partei Deutschlands der Weimarer Republik 1925-1933. Jour-Fixe-Vortrag vom 28.7.2005.
Kistenmachers Vortrag basiert auf einem Beitrag in diesem soeben erschienen Sammelband:
Matthias Brosch / Michael Elm u.a. (Hrsg.): Exklusive Solidarität. Linker Antisemitismus in Deutschland (das letzte Buch in der Neuerscheinungsliste)
Paul Berman: Who's Afraid of Tariq Ramadan? (kostenlose Registrierung erforderlich). Via: drink-soaked Trotskyite Popinjays for War.
Samstag, 26. Mai 2007
Auch mal bei Tristan
Freitag, 25. Mai 2007
Fred J. Eaglesmith
Haben will
"you think my images are porn?"
"Herrenrassentag"
Beim endi.
Sexy Shoa
Werbung mit dem Holocaust Denkmal macht das Berliner Modelabel Pure Berlin, das berichteten Welt online und Berliner Morgenpost.
Modell Annabelle Mandeng und der Berliner Clubbesitzer Jesko Klatt, die Pure Berlin gründeten, finden, "es ist eine positive Art, mit der Geschichte dieser Stadt umzugehen."
Das Portal Redok.de verweist in seinem Kommentar auf die Avantgarde, die den beiden Berlinern beim Tabubrechen um Jahreslängen voraus ist:
Gewisse Arten des "legeren" Umganges mit dem Holocaust sind sonst eher von anderen "künstlerischen" Veröffentlichungen bekannt: Dass sich beispielsweise eine slowakische Band eben mal "Juden Mord" nennt und eine CD mit dem Titel "Arbeit macht frei" veröffentlicht - so lautete die Inschrift am Tor im KZ Dachau - überrascht den Kenner des neonationalsozialistischen Musiker-Verbandes "Blood & Honour" nicht weiter. Den Holocaust nicht nur zu leugnen oder zu relativieren, sondern gut zu heißen und "abzufeiern" ist eh nicht mehr das Neueste am Markt.
Quelle: Berliner Morgenpost
Forderte die vorjährige Kampagne Du bist Deutschland noch, nicht nur auf der Autobahn Gas zu geben, um damit den fröhlichen Patriotismus voranzutreiben, und heißt es in Rheinland Pfalz, Kaum machen wir eine Party, wird gleich Demokratie draus, wissen die beiden pfiffigen Berliner längst eine Antwort auf Adornos Forderung, dass Auschwitz nicht noch einmal sei:
Ob sie nach der scharfen Kritik der Jüdischen Gemeinde zu Berlin den Film nun aus dem Internet entfernen werden? „Nein. Wir haben unsere eigene Meinung dazu. Die würden wir ja sonst in Frage stellen“, sagte uns Annabelle Mandeng.
In dem Filmchen der Berliner Modefirma lehnt Mandeng zwischen den Stehlen, rennt und taumelt zwischen ihnen hin und her. Es ist, als wolle sie zu ihrer eigenen Unfähigkeit zur Selbstreflexion noch Adornos Analyse illustrieren:
Man kann von der Klaustrophobie der Menschheit in der verwalteten Welt reden, einem Gefühl des Eingesperrtseins in einem durch und durch vergesellschafteten, netzhaft dicht gesponnenen Zusammenhang. Je dichter das Netz, desto mehr will man heraus, während gerade seine Dichte verwehrt, dass man heraus kann. Das verstärkt die Wut gegen die Zivilisation. Gewalttätig und irrational wird gegen sie aufbegehrt.
(zuerst gesehen bei der Heuschreck)
Modell Annabelle Mandeng und der Berliner Clubbesitzer Jesko Klatt, die Pure Berlin gründeten, finden, "es ist eine positive Art, mit der Geschichte dieser Stadt umzugehen."
Das Portal Redok.de verweist in seinem Kommentar auf die Avantgarde, die den beiden Berlinern beim Tabubrechen um Jahreslängen voraus ist:
Gewisse Arten des "legeren" Umganges mit dem Holocaust sind sonst eher von anderen "künstlerischen" Veröffentlichungen bekannt: Dass sich beispielsweise eine slowakische Band eben mal "Juden Mord" nennt und eine CD mit dem Titel "Arbeit macht frei" veröffentlicht - so lautete die Inschrift am Tor im KZ Dachau - überrascht den Kenner des neonationalsozialistischen Musiker-Verbandes "Blood & Honour" nicht weiter. Den Holocaust nicht nur zu leugnen oder zu relativieren, sondern gut zu heißen und "abzufeiern" ist eh nicht mehr das Neueste am Markt.
Quelle: Berliner Morgenpost
Forderte die vorjährige Kampagne Du bist Deutschland noch, nicht nur auf der Autobahn Gas zu geben, um damit den fröhlichen Patriotismus voranzutreiben, und heißt es in Rheinland Pfalz, Kaum machen wir eine Party, wird gleich Demokratie draus, wissen die beiden pfiffigen Berliner längst eine Antwort auf Adornos Forderung, dass Auschwitz nicht noch einmal sei:
Ob sie nach der scharfen Kritik der Jüdischen Gemeinde zu Berlin den Film nun aus dem Internet entfernen werden? „Nein. Wir haben unsere eigene Meinung dazu. Die würden wir ja sonst in Frage stellen“, sagte uns Annabelle Mandeng.
In dem Filmchen der Berliner Modefirma lehnt Mandeng zwischen den Stehlen, rennt und taumelt zwischen ihnen hin und her. Es ist, als wolle sie zu ihrer eigenen Unfähigkeit zur Selbstreflexion noch Adornos Analyse illustrieren:
Man kann von der Klaustrophobie der Menschheit in der verwalteten Welt reden, einem Gefühl des Eingesperrtseins in einem durch und durch vergesellschafteten, netzhaft dicht gesponnenen Zusammenhang. Je dichter das Netz, desto mehr will man heraus, während gerade seine Dichte verwehrt, dass man heraus kann. Das verstärkt die Wut gegen die Zivilisation. Gewalttätig und irrational wird gegen sie aufbegehrt.
(zuerst gesehen bei der Heuschreck)
Donnerstag, 17. Mai 2007
E(european) R(esistance) A(rchive)
I started to run as fast as I could. I was skinny then and 23 years old. The soldier took out his gun and started shooting at me.
European Resistance Archive
European Resistance Archive
Freitag, 11. Mai 2007
Dave Matthews
Auf dieser Seite des großen Wassers scheint ihn kaum jemand zu kennen. Das hat er nicht verdient, der Dave Matthews.
Daniel Johnston @ Rollins Show
Ohnehin eine Fundgrube, die Henry Rollins Show: bspw. hier, hier und hier. Und natürlich das Interview mit Daniel Johnston.
Don't Cry ... Next Season ...
Samstag, 5. Mai 2007
"Schauderhaft deutsch"
Uli Krug: Gefühltes Gas. Jungle World Nr. 18 / 2007
Die RAF war ein bewaffneter Vertreter des deutschen Geschichtsrevisionismus, der einen grotesk überflüssigen Bürgerkrieg mit zwar echten Toten, aber gänzlich imaginären Fronten führte. Das nicht einmal im Ansatz bemerken zu können, war wiederum das Resultat einer Abschottung gegen jede Erfahrung – die aber wiederum nicht allein die RAF betraf, sondern letztlich die ganze militante »Neue Linke« samt ihrem dubiosen Antiimperialismus, ihren absurden Organisationsdebatten und ihrem selbstverliebten Militanzgehabe prägte. Die RAF hatte all das nur am konsequentesten durchexerziert und wurde eben deshalb auch in ganz besonderem Maße durch psychodynamische Prozesse gesteuert. Oder in den noch heute schaudern machenden Worten Ulrike Meinhofs: »es gibt nur eine heilung: knarre, bewusstsein und kollektiv.«
Retrospektiv betrachtet scheint der zeitgenössische Hass insbesondere der älteren Deutschen auf die »Baader-Meinhof-Bande« deswegen so besonders groß gewesen zu sein, weil die Unterschiede in der Sache so besonders klein waren. Dieses epochale Missverständnis, das heute einige Medien und Politiker – allerdings auch eher halbherzig – in der Debatte um die Begnadigung von Christian Klar noch einmal zu nutzen versuchen, bedürfte der Aufklärung. Bewies Christian Klar doch erst unlängst, dass er genau dieselbe antiwestliche Pennälerlyrik produziert wie der CSU-Rechtsaußen Peter Gauweiler oder jede stramm pazifistische Kindergärtnerin. Weil das so ist, gibt es keinen Grund, ihn länger im Knast schmoren zu lassen.
Wenn dann das endlose Recyclen des »Deutschen Herbstes« endgültig gegenstandslos wird, dann zeigt sich vielleicht auch deutlicher, wie schauderhaft deutsch die RAF war. Oder anders gesagt: Wie gut sich die größten Geiferer, die einst nach KZ und Todesstrafe riefen, eigentlich mit den verhassten »Terroristen« hätten unterhalten können – über US-Kulturimperialismus, internationales Judentum, alliierten Bombenterror und die nationale Rückbesinnung Deutschlands.
Die RAF war ein bewaffneter Vertreter des deutschen Geschichtsrevisionismus, der einen grotesk überflüssigen Bürgerkrieg mit zwar echten Toten, aber gänzlich imaginären Fronten führte. Das nicht einmal im Ansatz bemerken zu können, war wiederum das Resultat einer Abschottung gegen jede Erfahrung – die aber wiederum nicht allein die RAF betraf, sondern letztlich die ganze militante »Neue Linke« samt ihrem dubiosen Antiimperialismus, ihren absurden Organisationsdebatten und ihrem selbstverliebten Militanzgehabe prägte. Die RAF hatte all das nur am konsequentesten durchexerziert und wurde eben deshalb auch in ganz besonderem Maße durch psychodynamische Prozesse gesteuert. Oder in den noch heute schaudern machenden Worten Ulrike Meinhofs: »es gibt nur eine heilung: knarre, bewusstsein und kollektiv.«
Retrospektiv betrachtet scheint der zeitgenössische Hass insbesondere der älteren Deutschen auf die »Baader-Meinhof-Bande« deswegen so besonders groß gewesen zu sein, weil die Unterschiede in der Sache so besonders klein waren. Dieses epochale Missverständnis, das heute einige Medien und Politiker – allerdings auch eher halbherzig – in der Debatte um die Begnadigung von Christian Klar noch einmal zu nutzen versuchen, bedürfte der Aufklärung. Bewies Christian Klar doch erst unlängst, dass er genau dieselbe antiwestliche Pennälerlyrik produziert wie der CSU-Rechtsaußen Peter Gauweiler oder jede stramm pazifistische Kindergärtnerin. Weil das so ist, gibt es keinen Grund, ihn länger im Knast schmoren zu lassen.
Wenn dann das endlose Recyclen des »Deutschen Herbstes« endgültig gegenstandslos wird, dann zeigt sich vielleicht auch deutlicher, wie schauderhaft deutsch die RAF war. Oder anders gesagt: Wie gut sich die größten Geiferer, die einst nach KZ und Todesstrafe riefen, eigentlich mit den verhassten »Terroristen« hätten unterhalten können – über US-Kulturimperialismus, internationales Judentum, alliierten Bombenterror und die nationale Rückbesinnung Deutschlands.
Vorfreude
Nach langem Warten am Montag endlich das neue, reguläre Studioalbum von Matthew Ryan. Reinhören vorab auf Matthews myspace Page.
Um die Wartezeit zu überbrücken:
Um die Wartezeit zu überbrücken:
Führer derangiert
Wie kaum ein anderer dürfte Ali Mitgutsch mit seinen Wimmelbüchern die frühkindlichen Sehgewohnheiten der Generation 70 plus X geprägt haben. Es gibt naturgemäß viel zu entdecken in seinen Wimmelbüchern, in meinem Fall geht der Suchspaß in die zweite Generation. Neben Autos, Tieren, Sensationen, all dem also, was Kindern Spaß macht, wird auch der stolze Vater mit Überraschungen bedient. Der hier z. B.:
Rundherum in meiner Stadt (1968) bei Amazon.de
Rundherum in meiner Stadt (1968) bei Amazon.de
Freitag, 27. April 2007
Ein Mann, der nichts zu wünschen übrig lässt
Der eine Mann, der mich toll findet, spielt im Online-Rollenspiel eine weibliche Fee.
Ganz großes Kino auch die Kommentarschlacht.
Ganz großes Kino auch die Kommentarschlacht.
Donnerstag, 26. April 2007
Heute
Sonntag, 22. April 2007
Vertreibung aus dem Paradies
Nachdem Eva vom Baum der Erkenntnis gegessen hatte, sagte sie, Adam, lass uns alles ändern, lass uns alles neu machen. Ach Adam, lieber Adam, lass uns die Welt nach unseren Vorstellungen gestalten, lass uns die Welt neu bauen. Sie breitete die Arme aus und drehte sich einmal im Kreis. Da wurde sich Eva ihrer Nacktheit bewusst, sie bedeckte ihre Scham und begann zu frieren. Und Adam verstand die Welt nicht mehr.
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